Ich verstehe die allgemeine Prüderie über Sextoys nicht. In den Medien wird ständig über Sex berichtet, in Filmen werden Sexszenen nachgestellt (letztens sah ich den Anfang der Serie „Die Cleveren“ und dachte mir nur „Ups, das gehört ja eigentlich ins Nachtprogramm“). Erotikhersteller aus Flensburg machen Riesenumsätze, der Hersteller von Dildos „Fun Factory“ schreibt laut einstündiger Fernsehreportage schwarze Zahlen, aber wenn man selbst einen Sexshop im Internet hat, reagiert das Umfeld absolut entsetzt. Warum man denn in diese Schiene „abrutsche“ wird man da gefragt. Aber Leute, wer kauft sich denn einen Vibrator, eine Analkette oder Liebeskugeln? Bestimmt nicht irgendwelche Psychopathen mit kaputter Kindheit. Das Verwenden von Sextoys hat nichts mit einem niedrigen Bildungsniveau oder einer perversen Neigung zu tun. Dies erkennt man übrigens auch an ganz deutlich an den Bestellern, ein Kunde mit Doktortitel ist nichts Ungewöhnliches.
Ich wette, in einigen Jahren hat sich die Prüderie darüber ausdiskutiert. Menschen, die heute anfangen, mit Sexspielzeug Geschäfte zu machen, müssen noch gegen jede Menge Vorurteile kämpfen. In ein paar Jahren wird man über diese Prüderie nur noch lachen. So, wie man heutzutage über so vieles lacht, was noch vor ein paar Jahrzehnten verpönt war! Oder zieht heute noch irgendjemand erst von zu Hause aus, wenn er heiratet? Lässt sich heute niemand scheiden, weil man ja nicht weiss, was die Nachbarn denken könnten?
Ein Freund hat es schön gesagt: Man verkauft Sachen, die den Menschen Freude machen. Was ist daran falsch?
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